Senioren-Union Niederkassel auf den Spuren der neueren deutschen Geschichte

15.03.2026

(GBe) 26 Teilnehmende der Senioren-Union besuchten das Haus der Geschichte in Bonn, das sich mit einem völlig neuen Konzept präsentiert. Die Dauerausstellung mit dem Motto: „Du bist Teil der Geschichte“, aufgeteilt in fünf mit verschiedenen Farben gekennzeichnete Epochen macht mit authentischen Objekten, persönlichen Erinnerungen von Zeitzeugen und interaktiven Medienstationen die Geschichte Deutschlands seit 1945 erfahrbar.  Dabei wird die parallele Entwicklung der beiden deutschen Staaten dargestellt, jeweils getrennt durch einen roten Balken - links die DDR, rechts die BRD.
Nach der bedingungslosen Kapitulation der Deutschen Wehrmacht am 8. Mai 1945 teilten die alliierten Sieger-mächte Deutschland in vier Besatzungszonen unter sich auf und übernahmen die Regierungsgewalt. Die Reichs-hauptstadt Berlin erhielt einen Sonderstatus mit vier von den Alliierten kontrollierten Sektoren. Nach 1945 kamen Millionen Flüchtlinge und Vertriebene aus den ehemals deutschen Ostgebieten. Viele wurden in improvisierten Notunterkünften, den sogenannten Nissenhütten, einquartiert. Die Integration der Flüchtlinge in die Gesellschaft der Bundesrepublik und der DDR war ein herausfordernder Prozess, der mehrere Jahrzehnte dauerte.
Auf Veranlassung der drei westlichen Besatzungsmächte erarbeitete der Parlamentarische Rat in Bonn unter der Präsidentschaft von Konrad Adenauer das Grundgesetz. Dieses trat am 24. Mai 1949 in Kraft und etablierte die Bundesrepublik Deutschland (BRD) als liberale Demokratie und föderalen Rechtsstaat. Bonn wurde Bundes-hauptstadt und Konrad Adenauer am 15.September 1949 zum ersten Bundeskanzler gewählt. Die BRD ist gekennzeichnet durch die freie Marktwirtschaft, enge Anbindung an die westlichen Staaten und Mitgliedschaft in der Nato. Am 7. Oktober 1949 wurde die Deutsche Demokratische Republik (DDR) gegründet mit Ostberlin als Hauptstadt. Die DDR folgte einem sozialistischen Einheitsparteiensystem unter der SED, mit zentraler Planwirtschaft und starker Abhängigkeit von der Sowjetunion. 
Die bipolare Weltordnung führte zu einer Konfrontation zwischen dem kapitalistischen Westen und dem kommunistischen Osten. Diese Epoche des Wettrüstens ging als „Kalter Krieg“ in die Geschichte ein. Durch das Wettrüsten der Machtblöcke USA und UdSSR geriet die Welt mehrfach an den Rand eines Atomkrieges. 1955 erfolgten die Wiederbewaffnung der BRD und die Gründung der Bundeswehr, am 6. Mai 1955 trat die BRD der NATO bei. Als Reaktion gründete die DDR 1956 die Nationale Volksarmee und wurde Mitglied des Warschauer Paktes. Ein zentrales Symbol des Kalten Krieges war die Berliner Mauer. Sie wurde am 13. August 1961 errichtet und sollte die massenhafte Abwanderung von DDR-Bürgern in den Westen verhindern. 
Ab 1971 begann mit den SALT-Verhandlungen zwischen den USA und der Sowjetunion eine Phase der Entspannung, zu der auch die neue Ostpolitik Willy Brandts nach 1969 entscheidend beitrug. Die Reformpolitik von Michail Gorbatschow in den 1980er Jahre schuf wichtige internationale Rahmenbedingungen. Bis zu diesem Zeitpunkt schien die Teilung Deutschlands unüberwindbar. Dann überschlugen sich die Ereignisse. Anfang September 1989 begann mit den Montagsdemonstrationen der massive Protest für grundlegende Reformen in der DDR.  Nachdem die DDR-Regierung dem Druck der Straße nachgegeben und Günter Schabowski irrtümlich die sofortige Öffnung der Grenze verkündet hatte, strömten am 9. November Massen von Berlinerinnen und Berlinern zu den Grenzübergängen. Die Grenzposten waren überfordert und gaben noch in der Nacht alle Berliner Übergänge frei. Am 18. März 1990 konnten die Menschen zum ersten Mal in der Geschichte der DDR frei wählen. Die Volkskammer-Wahl  besiegelte das Ende der SED-Herrschaft. Der am 12. September 1990 unterzeichnete Zwei-plus-Vier-Vertrag zwischen den beiden deutschen Staaten und den vier Siegermächten des Zweiten Weltkrieges machte den Weg frei für die Deutsche Einheit. Damit wurde 45 Jahre nach Kriegsende die volle innere und äußere Souveränität des vereinten Deutschlands wiederhergestellt. Mit dem Einigungsvertrag vom 3. Oktober 1990 wurde der Geltungsbereich des Grundgesetzes auf das Staatsgebiet der DDR ausgeweitet. Berlin wurde zur Hauptstadt des wiedervereinigten Deutschlands. Die Friedliche Revolution von 1989 war ein Ereignis von weltgeschichtlichem Rang und ein entscheidender Wendepunkt in der deutschen Geschichte. 
Der Zeitraum 1990 bis heute thematisiert u.a. das Abkommen von Schengen vom 14. Juni 1985 über den Abbau von Personenkontrollen an den Binnengrenzen Europas sowie die Einführung des Euro am 1. Januar 2002 als gemeinsame Währung von über 350 Millionen Menschen in Europa. Ferner zeigt die Ausstellung erschütternde Bilder von der Flutkatastrophe am 14. und 15. Juli 2021 im Ahrtal und in anderen Teilen von Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Abschließend beschäftigt sich die Ausstellung mit der zunehmenden Digitalisierung in den Bereichen Wirtschaft, Gesellschaft sowie im beruflichen und privaten Alltag und ganz aktuell mit der Schuldenuhr der BRD.  Zum Abschluss erholten wir uns bei Kaffee und Kuchen im Museumscafé. Alle waren sich einig: ein Besuch in dem neu konzipierten Haus der Geschichte ist unbedingt empfehlenswert. 
Interessenten an den Unternehmungen der Senioren-Union Ndk können sich gerne unter g.beck [at] senu-ndk.de informieren.