(GBe) Froh gelaunt und voller Erwartung machten sie 24 Teilnehmende der Senioren-Union Niederkassel auf den Weg in die älteste Stadt Deutschlands – nach Trier. Dort erwartete uns als Gästeführer ein Student der Geschichte und Archäologie. Besser hätten wir es nicht antreffen können.
Im Gebiet von Trier siedelte im 1. Jh. vor Chr. der keltische Stamm der Treverer. Im Zuge des Ausbaus ihres Fernstraßensystems errichteten die Römer 17 v. Chr. eine hölzerne Brücke über die Mosel. Sie war die Keimzelle der am östlichen Ufer gelegenen Stadt Augusta Treverorum. Die Gründung der civitas geht auf Kaiser Augustus zurück, der sich zu diesem Zeitpunkt in Gallien aufhielt. 150 n. Chr. wurde die Holzbrücke von einer massiven Steinbrücke ersetzt, die noch heute in Gebrauch ist. Mit ihren neun Originalpfeilern steht sie seit 2.000 Jahren als Symbol römischer Ingenieurkunst. Und unsere modernen Brücken?
Bedingt durch ihre strategische Lage am Moselufer entwickelte sich die Stadt schnell zu einem bedeutenden Handelszentrum. Ihre Blütezeit erreichte die Stadt im 4. Jh. und stieg unter Kaiser Konstantin zu einem Machtzentrum des spätrömischen Reichs auf. Agusta Treverorum wies die Merkmale einer typischen römischen Planstadt auf: ein schachbrettartiges Straßenraster und im Zentrum das Forum. Die Bauten aus der Zeit Konstantins – Kaiserthermen, Amphitheater und Konstantin-Basilika – sind Ausdruck des Anspruchs auf die Weltherrschaft des Imperium Romanum am Ende der Antike.
Die Kaiserthermen und Barbarathermen waren luxuriös ausgestattete Badehäuser, die nicht nur der Körperpflege dienten. Hier wurden auch Geschäfte abgeschlossen, politische Intrigen gesponnen und sportliche Wettkämpfe ausgetragen. Bei Ausschachtungsarbeiten auf dem Viehmarkt kamen die Überreste einer dritten monumentalen Thermenanlage zutage. Die Viehmarktthermen wurden in der 2. Hälfte des 1. Jhs. n. Chr. direkt am Forum errichtet. Die Hauptstraßen „cardo maximus“ und „decumanus maximus“ sind noch heute mit roten Pflastersteinen im Bodenbelag markiert. Die archäologischen Funde wurden durch einen gläsernen Kubus des Architekten Unger gesichert. Die Viehmarktthermen sind die älteste Badeanlage von Trier, doch wer zu spät kommt, den bestraft das Welterbe. 1986 hatte die UNESCO die römischen Baudenkmäler, Dom und Liebfrauenkirche in Trier zum Welterbe ernannt – entdeckt wurden die Viehmarktthermen aber erst 1987 - ein Jahr zu spät.
Die Porta Nigra wurde ab 170 n. Chr. als Teil der Stadtmauer aus Sandstein errichtet und ist das besterhaltene römische Stadttor nördlich der Alpen. Seine dunkle Farbe verdankt es den Eisenklammern, die durch Oxidation schwarz wurden. Das Gebäude wurde nie vollendet. 1035 wurde das Tor durch den Mönch Simeon in eine Doppelkirche umgewandelt. Dieser Umbau rettete das Bauwerk vor dem Abriss, da es als Steinbruch vorgesehen war.
Heute bildet der Hauptmarkt das Herz von Trier, gesäumt von Häuserfronten verschiedener Stil-epochen. 958 erhielt Trier das Marktrecht, der Hauptmarkt wurde zum Zentrum der mittelalterlichen Stadt. Die „Steipe“, die um 1430 als Fest- und Empfangsgebäude der Bürgerschaft mit einem Zinnenkranz und im Erdgeschoss offenen Spitzbogenarkaden errichtet wurde, kündet von dem dreihundertjährigen Ringen zwischen der Trierer Bürgerschaft und den Erzbischöfen um die Stadtherrschaft. Zwischen dem 10. und 12. Jahrhundert waren die Trierer Erzbischöfe die geistlichen und als Kurfürsten auch die weltlichen Herren. Selbstbewusst errichtete der Stadtrat das repräsentative Gebäude in direkter Sichtweite zum Dom.
Auf unserem Weg zu dem Restaurant, wo wir eine ausgiebige Mittagspause machten, kamen wir am Kornmarkt an dem Gebäude der sogenannten Cassinogesellschaft vorbei. Sie wurde 1818 gegründet. Ihr repräsentatives Gebäude diente dem kulturellen Austausch des gebildeten Bürgertums und entwickelte sich zum Zentrum des gesellschaftlichen Lebens. Hier lernte Karl Marx, ein berühmter Sohn der Stadt Trier, seine spätere Frau Jenny von Westphalen kennen.
Am Nachmittag stand eine kommentierte Rundfahrt mit dem eigenen Bus auf dem Programm. Vom Petriberg bot sich uns eine spektakuläre Aussicht auf das Moseltal und auf Trier. Im Herzen der Stadt erhebt sich die Doppelbasilka von Dom St. Peter und Liebfrauenkirche. Der Dom wurde auf den Fundamenten einer römischen Palastaula errichtet. Das monumentale Gebäude der Konstantinbasilika ist aus der Vogelperspektive ebenfalls gut zu erkennen. Erbaut im 4. Jh. n. Chr. diente sie Kaiser Konstantin als Audienzhalle, deren Wände mit Marmor verkleidet waren.
Der Petriberg wurde bereits von den Römern militärisch genutzt. 1936 errichtete die deutsche Wehrmacht hier ein Militärgelände und ein Kriegsgefangenenlager, in dem u.a. Jean-Paul-Sartre interniert war. Danach nutze die französische Besatzungsmacht die Militärgebäude. Heute sind diese in Büro- und Wohngebäude umgewandelt. Auf dem Petriberg liegt auch der Campus der Universität Trier.
Die Rundfahrt führte uns am Amphitheater vorbei, das einst 20.000 Zuschauern spektakuläre Gladiatoren- und grausame Tierkämpfe bot. Unser Gästeführer zeigte uns noch weitere Sehenswürdigkeiten der Stadt aus dem Mittelalter und der Neuzeit. Mit einer Fülle an neuen Eindrücken traten wir am späteren Nachmittag die Heimfahrt an.
Wer Interesse an den Aktivitäten der Senioren-Union Niederkassel hat und teilnehmen möchte, kann sich gerne unter der E-Mail-Adresse g.beck [at] senu-ndk.de beim Vorstand informieren.

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